Wir haben über ein Jahr verschiedene Dachboxen getestet. Mit keiner waren wir so recht zufrieden, da oftmals einzelne Eigenschaften gut waren, aber das Gesamtpaket ausbaufähig war.

Unsere Kriterien waren ein schönes Design, geringes Gewicht, Zulassung für Geschwindigkeiten über 130km/h und angenehme Windgeräusche.

Wir hatten hierzu bereits einige Blogbeiträge veröffentlicht, welche aber mittlerweile ins Archiv gewandert sind. Trotzdem möchten wir euch die Ergebnisse in diesem kurzen Beitrag näherbringen und für das Thema sensibilisieren, um euch großen Rechercheaufwand zu ersparen.

Optik auf Fotos anders, als in der Realität

Unsere erste Feststellung, die wir gemacht haben, sind die bearbeiteten Fotos bzw. die Illustrationen, welche genutzt werden, um die Dachbox möglichst stimmig mit den Fahrzeugen wirken zu lassen. Somit sehen die Boxen immer echt gut aus. Bis man sie auf dem eigenen Auto sieht, welches möglicherweise nicht modifiziert ist.

Dachbox-Design vs. Automobildesign

Viele Dachboxen werden von Designern entworfen, die sich gegen das aktuelle Automobildesign entscheiden oder in dem Thema Automobildesign fremd sind.

Somit durchlaufen viele Boxen stark ausgeprägte Sicken und Kanten, die im Automobildesign zuletzt Anfang der 2000er Jahre vorkamen.

Aktuell ist unserer Meinung nach aber eher ein Design angebracht, dass clean und aufgeräumt ist. Ohne Tunnel, Sicken, Kanten, Spoiler usw.

Das cleane Design ist (so unsere eigenen Erfahrungen aus der Entwicklung) um einiges anspruchsvoller, da jede Linie sitzen muss.

Grundsätzlich sollte eine Dachbox nicht, wie ein Fremdkörper auf dem Auto aussehen. Das ist wirklich nicht leicht, aber machbar!

Nähe zum Auto

Passend zum vorherigen Punkt, erscheinen die Boxen auf Fotos immer sehr nah am Auto. Sieht einfach sportlicher aus. Sind sie in der Realität aber auch sehr nah am Auto, kann dies sogar zu Problemen führen. Wir hatten selber immer den Wunsch, unsere Testboxen möglichst nah am Auto zu haben und haben verschiedene Basisträger getestet. Optisch wirkt es tatsächlich nochmal etwas sportlicher. Jedoch birgt es zwei elementare Nachteile: die Box schlägt auf das Autodach, wenn sie beladen ist oder im leeren Zustand „schwingt“. Das gibt viele kleine Kratzer.

Die Box ist zu nah am Auto und verursacht dadurch Kratzer und verschlechtert die Aerodynamik

Ein weiteres Problem, das wir festgestellt haben, ist die Aerodynamik: Es gibt einen Luftstau vor der Box und kein Wind geht mehr unter der Box hindurch. Das wird in dem Moment sichtbar, wenn man keinen Heckscheibenwischer hat und auf den Fahrtwind angewiesen ist. Das ist verkraftbar, wäre da nicht der Heckspoiler bzw. die eigene Aerodynamik des Autos: Wenn hinten am Auto kein Fahrtwind mehr ankommt, bekommen die Autos aerodynamische Probleme im Bereich Abtrieb.

Durch ein Telefonat mit einem Entwicklungsingenieur bei Porsche ließen wir uns auch nochmal bestätigen, dass dies unter anderem auch der Grund ist, dass drauf geachtet wird, dass immer genug Luft zwischen Box und Auto fließen kann. Performance geht demnach vor Design.

Mit unserem Ansatz konnten wir den Zielkonflikt jedoch lösen. Bewusste Linienführung „weg vom Auto“, um bei einem richtig guten Gesamtdesign von Auto und Box noch die perfekte Aerodynamik zu gewährleisten.

Dachboxen sind zum Öffnen da

So dumm es klingt, aber eines des Keyfeatures von Dachboxen funktioniert derzeit nur sehr selten: Problemloses Öffnen und Schließen. Der recht kleine Schlüssel muss oftmals erstmal in das Schlüsselloch bugsiert werden. Danach benötigt man bei den meisten Modellen recht viel Kraftaufwand, um die innenliegende Schiene zu bewegen, was dazu führte, dass wir bei einem winterlichen Ausflug Sorge hatten, Gepäck in der Dachbox zu verstauen, da für uns die Gefahr zu groß war, dass der Schlüssel abbricht.

Abgesehen davon beginnt nach dem Entriegeln der für uns größte Minuspunkt bei nahezu jeder Dachbox: Das Öffnen der oberen Hälfte. Material- und konstruktionsbedingt beginnt die obere Hälfte sich zu verziehen. Die Scharniere, die das beidseitige Öffnen ermöglichen, wirken überfordert und grundsätzlich ist alles einfach sehr wabbelig.

Wir finden, dass sich eine Dachbox so leicht öffnen lassen muss, wie ein Kofferraumdeckel.

Die Geräuschkulisse

Zugegeben, ein Porsche 911 Fahrwerk und die gewichtstechnisch gering gehaltene Dämmung enttarnt nahezu jedes Geräusch von Produkten, die sich im oder am Auto befinden.

So auch bei Dachboxen. Somit klapperten nahezu alle Boxen gut hörbar bei geringen Geschwindigkeiten und gaben auf der Autobahn recht starke Windgeräusche von sich.

Für ein Low-Budget-Produkt wäre das hinnehmbar. Jedoch haben wir eher hochpreisige Boxen getestet und finden, dass man hierbei auf jeden Fall einiges besser machen kann.

Das Gewicht ist nicht zu unterschätzen

Oftmals mit als erstes vergleicht man das Gewicht einer Dachbox. Das ist aus folgenden Gründen auch wirklich wichtig:

  • man kann mehr zuladen

    Bei einigen Modellen braucht man einen Dachboxlift oder mehrere Personen (Bildquelle: ATU)

    • die übliche Dachlast ist 75kg und wenn die Box plus Basisträger schon 35 Kilo wiegt, bliebt weniger Zuladung
  • der hohe Schwerpunkt am Auto wird verringert
    • wenn sie beladen ist, ist der Schwerpunkt sowieso zu vernachlässigen, aber man fährt auch oft mit leerer Box und lernt dabei eine leichte Box auf dem Auto zu schätzen
  • Das Gesamtgewicht des Autos verringert sich bei einer leichten Box
    • Wer Kraftstoff oder Energie sparen möchte, gerne die dynamischen Vorteile des Autos nutzt und auch beim Bremsen früh stehen möchte, legt viel Wert auf ein geringes Gesamtgewicht des Autos
  • Oftmals unterschätzt: Die Montage und das Entfernen der Box
    • Es gab einige Test-Boxen, die man nur zu zweit tragen konnte. Somit gab es Zeiten, wo die Box unnötig umhergefahren wurde, da sie alleine nicht zu entfernen war

Das Thema Geschwindigkeit

Wie schnell darf man mit einer Dachbox eigentlich fahren?! Genau. 130km/h. Bei so gut wie jedem Modell, welches wir kennen, empfiehlt der Hersteller 130km/h. Oft wird dazu geschrieben „es ginge aber auch schneller“. Im Falle, dass aber was passiert, beruft sich der Hersteller auf die 130km/h und entzieht sich somit der Haftung.


Für uns war das Thema aber auch aus einem anderen Grund wichtig: ein 911er fährt einfach nicht gerne dauerhaft 130km/h.

Eine angenehme Reisegeschwindigkeit, die auf der Autobahn in Teilen gut realisierbar ist, liegt bei 170km/h. So auch das Feedback unserer Anfragen von BMW-, Audi-, Mercedes-, Volkswagen-Fahrern: „Wir wollen schneller fahren, wenn der Verkehr es erlaubt“.

Ein generelles Tempolimit für Deutschland ist zwar schon mal angesprochen worden, aber hier sehen wir den Gedanken „Wenn ich wollte, dann könnte ich“ im Vordergrund. So wie es auch beim Autofahren allgemein ist: Der Gedanke, dass man eigentlich von jetzt auf gleich überall hinfahren kann, wird einen auch durch die Geschwindigkeit nicht eingeschränkt. Genauso wie sich Sportwagen in der Schweiz verkaufen, obwohl es dort sehr strenge Geschwindigkeitsregelungen gibt, sollten auch Dachboxen zumindest zu Teilen das eigene Auto nicht zu stark einschränken und den Freiheitsgedanken widerspiegeln.

Eine passende Aussage bekamen wir durch eine Anfrage über unseren damaligen Blog, der das Fahren mit einer normalen Dachbox gut auf den Punkt bringt: „Der Zeitpunkt, wo ich mir eine Dachbox auf das Auto packe, macht aus meinem Audi A6 einen LKW. Langsam, unaerodynamisch, instabil und unschön. Alleine der Gedanke, dass ich nicht schneller als 130 fahren kann, stört mich.“

Geschwindigkeiten von bis zu 300 km/h, wie es mit einem Prototyp aus Kohlefasern erfahren wurde, sind übrigens tatsächlich möglich. Darunter leidet aber das Gesamtgewicht der Box wieder, da Stabilität und Gewicht oftmals einen Zielkonflikt bilden.

Für uns ist da die gute Mischung wichtig. Im Vordergrund bei unserer Dachbox steht nicht, mit ihr 300 km/h zu fahren. Vielmehr sollte sie eine Runde auf der Nordschleife standhalten, wo es unter anderem auf hohe (Quer-) Dynamik-Werte ankommt, die durch enge schnell gefahrene Kurven und starkes Beschleunigen und Bremsen hervorgerufen werden. Auf der Döttinger Höhe (lange Gerade) könnte man dann bzgl. Höchstgeschwindigkeit die Box unter Beweis stellen.

Zusammenfassung

Wir haben wirklich alles getestet und waren offen für sämtliche Hersteller und Versprechungen. Aber so wirklich überzeugt waren wir nie. Demnach: Wo ein Problem ist, sollte an einer Lösung gearbeitet werden. Wir haben uns dem angenommen und entwickeln die für den ein oder anderen perfekte Dachbox. Denn die, die es schon gibt, sind keinesfalls schlecht, aber es geht eben nochmal besser, wenn man keine Kompromisse eingehen möchte.